A Fate Worse Than Death* – Ein Freitagabend mit dem Tatort

Die Vorgeschichte

Es gibt Menschen da draußen, die dreist behaupten können, dass ich in manchen Dingen eine an Dummheit grenzende Beratungsresistenz an den Tag lege, die besonders ärgerlich sei, da ich selbst gerne Ratschläge und Tipps gebe, von denen ich erwarte, dass sie berücksichtigt werden.

Diese Menschen sind meine Freunde und sie hätten absolut Recht, dieses zu sagen – ich neige stark dazu, mir sehr viel Zeit zu lassen, bis ich mir eine empfohlene Serie, ein Album oder einen Film zu Gemüte führe. Es ist nicht sinnvoll, so zu handeln, da diese Freunde ja erwiesener Maßen häufig Sachen cool oder lustig finden, die mir auch gefallen. Es ist einfach das alte Reaktanz-Problem (vgl. auch hier) – je mehr einem etwas von außen nahegelegt wird, desto weiter rückt man davon ab, es zu tun, um die eigene Autonomie zu wahren.

[*Anm. d. Red.: Der Titel und das Vorhaben sind inspiriert von der gleichnamigen Artikel-Serie »A Fate Worse Than Death« auf Grantland. Dort müssen sich in loser Folge verschiedene Redakteure und Schreiber NBA-Spiele ansehen, von denen zu erwarten ist, dass sie besonders schlecht und unwatchable sein werden (zuletzt: Bobcats vs. Pistons), und anschließend darüber schreiben. Da ich über den Titel jedes Mal lachen muss, habe ich ihn nonchalant übernommen.]

Damit sind wir beim Phänomen/Ärgernis Tatort. Alle gucken Tatort: meine Eltern (klar, Eltern gucken immer Tatort), die meisten meiner Freunde und ehemaligen Arbeitskollegen, und vermutlich auch der Typ, der den ganzen Tag vor der Bäckerei nebenan auf der Bank sitzt und mich immer freundlich grüßt. Alle gucken Tatort. Ich nicht.

Yeah, das sage ich inzwischen so ähnlich wie »Sorry, ich bin nicht bei Facebook.« Es ist für mich über die Jahre unbeabsichtigt zu so etwas wie einem »Distinktionsmerkmal« geworden. Ich habe früher nie den Tatort geguckt, weil er mich schlichtweg nicht interessiert hat. Dann hat sich mehr und mehr gezeigt, dass erstaunlich viele meiner peers – und nicht nur die Eltern-Generation – jeden Sonntag mit Begeisterung einschalten. Manche vielleicht vorsichtshalber mit zumindest einem zwinkernden Auge, aber verpassen will ihn auch keiner.

Und klar: Der Tatort wird längst in Kneipen übertragen – man kann sich treffen, lässig ein Bier schlürfen und halb-ironisch ein »event« daraus machen. Mit derselben Logik kann man für meine Begriffe zu einer Karnevalsveranstaltung gehen, sich dort mit Freunden treffen, betrinken und halb-ironisch ein »event« daraus machen, -pardon my french – Scheiße zu feiern. Oder, mit Butt-Head, als er die Cookies von Stu‘s Mom vom Tablett wischt: »I don’t like stuff that sssucks1

Ich übertreibe natürlich, ein bisschen. Wir wollen den Tatort nicht in eine Schublade mit Büttenreden und Schlagerparaden stecken, aber es ist dieselbe Kommode aus dunkler deutscher Eiche, in der sich etwas weiter oben die Schublade für »Mittelmäßige TV-Produktion mit hölzernen Dialogen und überschätzten Schauspielern, die unerklärlicher Weise Kultstatus besitzt« befindet.

Es ist für mich schwer nachvollziehbar, warum der Tatort als so eine Art deutsches Kulturgut hochgehalten wird und als Ausweis dafür dienen können soll, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Gebührenmillionen doch nicht nur für Grütze à la Andy Borg und Rosamunde Pilcher verschleudern.

Nun, als Psychologe bin ich der empirischen Forschung verschrieben, als deutscher Kulturteilhaber interessiert mich das Phänomen Tatort und als Freund möchte ich nicht mehr der Typ sein, der sich in seiner Ignoranz des Tatort auch noch cool vorkommt, ohne ihn tatsächlich mal richtig gesehen zu haben, daher… <drumrolls>

Der Test

… opfere ich meinen Freitagabend, an dem ich als Privatier tausende andere Dinge tun könnte (solange sie kein Geld kosten, also z. B. äähm, naja… ein Buch lesen? Solitär spielen? Das Malen-nach-Zahlen-Bild endlich fertig kriegen?), um mir vollkommen unvoreingenommen ein objektives Bild vom Tatort zu machen. Das Versuchsobjekt ist der Tatort vom vorvergangenen Sonntag, »Kinderland«, der in der ARD-Mediathek verfügbar ist. (Wer sich nicht mehr genau erinnern kann, worum es ging, findet eine kurze Zusammenfassung in dieser Fußnote.2)

Und bevor jetzt jemand einwerfen möchte, dass ausgerechnet dieser Tatort, nicht soo gut war… so ist das Leben, meine Lieben. Wenn ich Michael Jordan ein Mal spielen sehe und er einen schlechten Tag erwischt hat, dann sehe ich immer noch, dass Michael Jordan spielt. Wenn ich DeSagana Diop spielen sehe und er einen guten Tag erwischt hat, sehe ich immer noch, dass DeSagana Diop spielt.

Ok, ich bin ausgerüstet mit einer 0,5L-Flasche Coke Zero (die Werbung!, die Kalorien!, die Gewichtsschwankungen!) und einer Tüte gemischter Nüsse. Falls ich nach 10 Minuten versuchen sollte, mich an den ungesättigten Fettsäuren der Nüsse zu erhängen, seid gewiss, dass diesem qualvollen Tod ein gutes Leben voranging. Es geht los…

Das Ergebnis

… und es ist zu Ende. 3h 50min und über 3000 Wörter später bin ich durch mit dem Tatort und er mit mir – es ist fast 2:00h nachts und mein linker Arm schmerzt, da ich die meiste Zeit schräg vor meinem Bildschirm saß, um gleichzeitig auf dem Netbook Notizen zu machen. Ja, Blogschreiben ist nicht nur Eierschaukeln, Cappuccino und ironisch verbrämte Selbsteingenommenheit – zu 5% ist es auch harte körperliche Arbeit.

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle einfach ein running diary3 posten, also das korrigierte Transskript meiner Eindrücke und Gedanken, die mir während des Tatort gekommen sind. Aufgrund der unzumutbaren Länge verbanne ich es jedoch lieber in einen extra post und fasse hier nur meine wichtigsten Eindrücke zusammen. Weiter unten habe ich in einer extra Sektion konkrete Aspekte, die mir gefallen haben oder nicht, unter likes und dislikes4 aufgelistet.

Was ist nun also das Ergebnis meines aufopferungsvollen Selbsttests?

Es war für mich nicht ganz so unerträglich, den Tatort zu schauen, wie ich es erwartet hatte, insofern wäre die Überschrift: »A Fate Slightly Better Than Death« vielleicht treffender gewesen. Ich kann es auch nachvollziehen, dass es Leuten Spaß macht, ein allwöchentliches Ritual daraus zu machen, am Sonntag Abend – am Besten in Gesellschaft – mitzuraten, wer der Täter sein könnte.

Und klar, der Rahmen des Ganzen ist sehr verträglich, um eine Woche auf der Couch liegend ausklingen zu lassen: anderthalb Stunden, meistens in sich geschlossene Folgen, weitestgehend unmehrdeutige Charaktere und Plots, die einen keinesfalls überfordern, aber auch nicht so saudumm sind, dass man sich schämen muss. Das zum »Positiven«.

Bedeutet das für mich, dass ich in Zukunft an Sonntagabenden um 20:15 das Erste einschalten werde? Unter zwei Bedingungen: Entweder mir hält jemand eine Pistole an die Schläfe und zwingt mich dazu, oder jemand hält mir ein Gewehr an die Schläfe und zwingt mich dazu. Der Tatort kann mir am Ende des Tages5 einfach nichts bieten, was ich nicht woanders in besserer, interessanterer Form finde.

Für das Sonntagabend-Relax-Ritual habe ich die großartigen DMAX-Serien »Survival Man« und »Fang des Lebens«. Für deutsches Lokalkolorit habe ich die S-Bahn-Fahrten. Für anregende Unterhaltung, die gleichzeitig klug, spannend und witzig ist, kann ich aus der Vielzahl von grandiosen US-Serien schöpfen, für die es kein Widerspruch ist, komplexe, mehrdeutige Figuren zu haben oder plotlines über mehrere Folgen hinweg zu entwickeln und gleichzeitig extrem unterhaltsam zu sein.

Zugegeben, der Vergleich einer aufwendig produzierten Serie mit einem anderthalbstündigen Tatort  ist nicht fair – wenn man mehr Geld ausgeben und Figuren sowie Geschichten über viele Stunden hinweg entwickeln kann, ist es zu erwarten, dass man den Tatort in jeder Hinsicht schlägt: die Schauspieler, die Dialoge, das writing, der Unterhaltungswert, die Komplexität – alles, was gute Fernsehunterhaltung ausmacht.

Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man mit einem Budget von etwa 1,3 Millionen Euro6 für knapp 90 Sendeminuten deutlich bessere Unterhaltung bieten kann, als es der durchschnittliche Tatort tut – man muss sich nur trauen, den Zuschauern etwas mehr zuzumuten.

Zum Vergleich: Amerikanische Serien, die in einer vollkommen anderen Liga spielen, mehr noch: die ein vollkommen anderes Spiel zu spielen scheinen, sind zwar teurer, aber nur unterproportional im Verhältnis zur Qualität der Unterhaltung. Mad Men, mit das Beste, was es zur Zeit im Fernsehen zu sehen gibt, soll etwa 2-2,5 Millionen Euro pro Folge (knapp 50 Minuten) kosten; The Wire, von vielen Kritikern als beste Drama-Serie aller Zeiten bezeichnet (ich möchte in aller Bescheidenheit zustimmen), hat etwa 1,5 Millionen pro Folge (knapp 60 Minuten) gekostet.

Hinzu kommt: Die Frage, ob diese Vergleiche fair sind oder nicht, wird in dem Moment hinfällig, in dem ich als Konsument entscheiden kann, wie ich das begrenzte Zeitbudget, das ich in meinem Leben dafür bereithalte, mich vom Fernsehen unterhalten zu lassen, aufwende. Denn der Tatort konkurriert am Sonntagabend eben schon lange nicht mehr nur mit der ZDF-TV-Schmonzette und schlecht synchronisierten Spielfilmen auf den Privaten, sondern mit einer Vielzahl von herausragenden Produktionen unterschiedlichster Couleur, die sich mit der Play-Taste des DVD/Blueray-Spielers jederzeit abrufen lassen. Wenn ich also die freie Wahl habe:

Warum sollte ich mich für das klar schlechtere Produkt entscheiden? Warum sollte ich jeden Sonntagabend eine fade gewürzte  Kartoffelsuppe essen, wenn die Alternative eine Auswahl an verschiedenen Drei-Sterne-Menüs ist?

Epilog

Ja, warum sollte er? Warum?! Reden Sie! Ach komm, hörn’se mir doch auf mit dem Scheiß… <packt den Leser beim Kragen> Sie wissen doch genauso gut wie ich, dass sie keine gute Begründung haben! Komm’se doch mal zur Vernunft, Mann! Alle Beweise sprechen gegen Sie! Und wissen’se, wie man mit Typen wie Ihnen im Knast umgeht..? <deutet mit rhythmischen Bewegungen rektalen Verkehr an> <Leser beginnt zu schluchzen und stammelt ein Geständnis> Sehn’se, war doch gar nicht so schwer, oder? Jetzt beruhigen’se sich erstma.. <Legt Hand auf die Schulter des zusammengesackten Lesers und blickt angewidert-triumphierend zu seiner Kollegin> Schafft ihn raus!

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Für die unter Euch, die den Tatort auch gesehen haben, und unerklärlicher freundlicher Weise daran interessiert sind, welche Aspekte ich im Speziellen gut und weniger gut fand, gibt es hier die vollständige Liste:

Likes

  • Der Moment, als Anna gleich zu Beginn aus dem Zug gestiegen ist und von einem Typen angerempelt wird, woraufhin sich ihr Dekolleté vorteilhaft weitet.
  • (Das war ein Scherz.)
  • (Zu 80%.)
  • Der Versuch, eine Problematik zu beleuchten, die im Allgemeinen vermutlich zu wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommt: Das Straßenkindertum und, damit verbunden, Jugendprostitution.
  • Meine enttäuschte Erwartung, dass es sich bei einem Tatort notwendiger Weise um eine einzige Aneinanderreihung von unerträglich schlecht geschauspielerten Szenen handele. Es war etwas besser als das. (Von wegen Männer meiner Generation wüssten nicht mehr, wie man Komplimente macht.)
  • Die Tatsache, dass die Kommissarin schon mal im Playboy war und eine ziemlich heiße und erwartungsgemäß dumm-aufmerksamkeitsgeile Tochter hat.
  • Man fühlt sich tatsächlich animiert mitzuraten, wer denn der Täter sein könnte. (Einschränkung: Dieses ungefähr auf die Art und Weise, wie man versuchen würde zu erraten, welches Motiv ein 4-teiliges Puzzle darstellt, wenn man die vier klobigen Teile mit je 20 Minuten Verzögerung nacheinander serviert bekäme.)

Dislikes

  • Fast alles in dem Anna-Handlungsstrang; er wollte sich mit dem Lisa-Hauptstrang nicht so recht organisch verweben und wirkte eher wie notdürftig angetackert, um zum Einen Lisas Vorgeschichte stellvertretend zu erzählen (Wie kann man überhaupt dazu kommen, als so junges Ding lieber auf der Straße zu leben und anzuschaffen, anstatt zu Hause zu leben?) und zum Anderen eine Überleitung zu der Fortsetzung zu haben (Anna fährt mit dem fiesen Typen im Alfa gen Köln.).
  • Insgesamt wirkte Annas Figur in ihren Handlungen unzureichend motiviert, mehr wie eine Funktionsträgerin innerhalb des Plots, nicht wie eine plastische, dreidimensionale Person:
  • Anna ist von zu Hause geflohen, weil… sie schon immer geahnt hat, dass ihre Mutter sie einem anderen Paar geklaut hat, nachdem diese ihr eigenes Kind verloren hat. What?? Wie oft passiert es in Deutschland, dass ein verzweifeltes Paar einem anderen Paar das Kind klaut? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man dieses organisatorisch/bürokratisch off-pullen kann, über Jahre hinweg? Und all das weiß Anna nicht mal, und würde aber lieber sterben als nach Hause zurückzukehren? Well then
  • Anna ist kaum aus dem Zug ausgestiegen, guckt sich ein paar Mal etwas verunsichert um wie ein Teenager, der zum ersten Mal eine Freundin in einer größeren Stadt besucht, und Creepy Olaf erkennt sofort, dass sie eine Ausreißerin ist, die man besser durch die halbe Stadt verfolgen sollte, um ihr seine… ähm, business card zu geben? Again: whhaaat? Kann man das Ausreißerinnen-Erkennen in Seminaren lernen? Hat er es studiert?
  • Die Straßenkinder in Leipzig reagieren erst ablehnend auf ihre Nachwuchshoffnung Anna, doch nachdem Lisa sie geschubst hat und Annas Tasche hingefallen ist, ist das Eis schnell gebrochen… der Klassiker, um sich vertraut zu machen.
  • Ohne zu wissen, zu was ein junges Mädchen wie Anna in ihrer verzweifelten Lage getrieben werden kann: Würde man in dieser Situation tatsächlich ernsthaft erwägen bei einem Superweirdo wie Creepy Olaf Unterschlupf zu suchen? Wenn man schon ahnt, dass er vermutlich Sex als Gegenleistung erwartet?
  • Eine Kommissarin nimmt sich einer sexuell genötigten Ausreißerin persönlich an und lässt sie bei sich übernachten und von ihrer Mutter versorgen – keine psychologische Betreuung, keine Gefahr von Beeinflussung einer potentiellen Zeugin?
  • Der Vater erwürgt die schwangere Freundin seines Sohnes, weil… diese ihn beleidigt und so seine lange aufgestaute Frustration ob des verschwundenen Sohnes und der kaputten Ehe lostritt? Hmm.. natürlich nicht undenkbar, aber wiederum: Die Figur des Vaters wird für den Zuschauer nicht plastisch, sie wird nicht mit Hilfe von character cues entwickelt und so in ihrem Handeln plausibel. Von uns als Zuschauern wird erwartet, dass uns die paar hingestreuten Informationen (zerrütete Beziehung, ältester Sohn ist abgehauen, Vater gründet »Kinderland«, um was »gutzumachen«) reichen, um zu glauben, dass ein sozial engagierter Lehrer, der mit einer Ärztin verheirat ist, die Teenager-Freundin seines verbliebenen Sohnes erwürgen würde?
  • Typen wie Creepy Olaf wird es vermutlich leider geben, allerdings ist auch seine Figur eher holzschnittartig angelegt: Ekeltyp-Frisur, am Bahnhof ausgerissenen Mädchen auflauern, – natürlich – Modelle von Militärflugzeugen sammeln, etc.
  • Die Tatsache, dass sich milf-cop Saalfeld überhaupt dem Vermisstenfall »Anna« annimmt, der überhaupt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, und dann in ihren Ermittlungen im Fall des Lisa-Mordes immer auch in Sachen Anna ermittelt. Es gibt erstmal keinen Grund anzunehmen, dass es zwischen den beiden einen Zusammenhang gibt; dass beide sich etwas ähnlich sind, dürfte dafür ja wohl nicht reichen.
  • Es gibt natürlich eine Videokamera, die den Streit von Paul und Lisa aufgenommen hat. So schön, so bequem.
  • Die ganze Ballauf/Schenk-Storyline wirkte gewollt und wiederum nur sehr bedingt plausibel: Zwei Kommissare können für einen Tag aus Köln verschwinden, ohne, dass jemand nachfragt. Anstatt zunächst mal telefonisch mit den Leipziger Kollegen in Kontakt zu treten, fahren sie hunderte Kilometer quer durch Deutschland für die geringe Chance, dass die beiden Mordfälle vielleicht etwas miteinander zu tun haben könnten. Die »Ermittlungen« sehen so aus, dass beide sich an verschiedenen Plätzen, die ihre Kollegin Franziska vorher rausgesucht hat, »umschauen«. Gute Arbeit, Männer.
  • Die beiden Ermittler-Duos aufeinander treffen zu lassen war ja per se nicht unlustig, aber diesen Aufwand zu betreiben für ein paar semi-müde Lacher und um die Fortsetzung in Köln zu motivieren, erschien mir unverhältnismäßig, wenn es so auf Kosten der Plausibilität (s. vorherigen Punkt) und Sendezeit geht.
  • Die üblichen Tatort-Absurditäten (vor einigen Wochen im ZEITmagazin-Artikel von Sabine Rückert aufgelistet): Potentielle Zeugen werden unter Druck gesetzt, teilweise unter Vortäuschung falscher Tatsachen (natürlich nicht erlaubt und auch nicht sinnvoll, da Aussagen, die unter solchen Umständen gemacht werden, vor Gericht keinen Bestand haben); ein Verdächtiger/Zeuge wird körperlich angegangen (Creepy Olaf), um ihn zum Sprechen zu bringen; potentiellen Zeugen wird mit Verhaftung gedroht, sollten sie nicht aussagen (was natürlich ihr gutes Recht ist). Sind diese Dinge zur Dramatisierung wirklich nötig? Kann den deutschen Zuschauern keine halbwegs realistische, mühsamere Polizeiarbeit zugetraut werden, wie man sie z. B. in der britischen Krimiserie Luther oder natürlich bei The Wire zu sehen bekommt?

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  1. Und ja, ich würde jederzeit Beavis & Butt-Head gegen den Tatort in Stellung bringen. Jederzeit. Try me.
  2. »Kinderland« spielt hauptsächlich in Leipzig – mit kurzen Abstechern nach Köln – und es gilt, den Mord an der jungen, schwangeren Prostituierten Lisa aufzuklären, die sich kurz vor ihrem Tod mit der Ausreißerin Anna angefreundet hatte. Verdächtig sind Lisas Freund Paul, seine zerstrittenen Eltern Herr und Frau Dr. Tremmel und der für den Tatort obligatorische Ekeltyp Creepy Olaf. (Modelle von Militärflugzeugen, anyone?) Die Ermittler sind Eva »milf-cop« Saalfeld und Andreas »Rauhbein« Keppler auf Leipziger Seite und Schenk und Ballauf aus Köln.
  3. Das Format des running diary ist entlehnt von Bill Simmons, der für ESPN u.a. jährlich ein running diary des NBA Draft geschrieben hat.
  4. Ja, likes und dislikes… welch Ironie, nicht wahr? Ich bediene mich der Facebook-Terminologie, wo ich doch nicht mal auf Facebook bin! Und wo ich doch kotzen könnte, wenn Leute in normalen Konversationen oder im Schriftverkehr den Unsatz »I like« fallen lassen. Da hört das rofl’n für mich auf.
  5. Wie wir Business-Menschen in schlecht übersetztem Englisch gerne sagen.
  6. Das ist der Wert, den ich in meinen Recherchen mehrfach gefunden habe. Falls dieser Wert nicht der Realität entspricht, korrigiert mich gerne.
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This article has 3 comments

  1. Pingback: Leseraufruf: Was soll Philipp gucken? (Qualitätsvorgabe: »A Fate Worse Than Death«) | PIECES OF A MAN

  2. O))i Reply

    Mit dem Tatort kann ich auch nichts anfangen, ausser mit Schimi! Aber das sind die 80er, andere Zeiten, andere Welten (Duisburg-Ruhrort) und für Dich glaube ich auch zu… wie sagt man ekklektisch? Aus meiner Sicht aber der Obelyskkh (sic! – befreundete Band von mir und die einzige Möglichkeit noch ein Wort mit zwei Ks hintereinander hinterherzuwerfen ;-) der deutschen Krimis.

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