Der Leiter des Gründerseminars ist gut alt und gut beschissen als Dozent. Zum Glück referiert er nur in 6 der insgesamt 12 Stunden Seminar. Immerhin kostenlos. Am zweiten Tag fängt man an, die anderen Leute zu mögen; mere-exposure-effect plus »Die-12-Geschworenen«-Effekt. Geile Leute dabei, die meistens genau das machen wollen, von dem man glaubt, dass sie es machen wollen.

Der glutäugige Philippino, der eine lateinamerikanischen Cocktailbar eröffnen möchte. Der Franzose (Halbglatze, schulterlanges Resthaar, Ohrring), der mit seiner Frau eine Patisserie aufmachen will. Der ziemlich geile Lauch, der aussieht und wirkt wie Herman, der Waffenhändler bei den Simpsons, in »friedensbewegt«, und einen Laden für vegetarische Lebensmittel führen möchte. Die leicht ungeschlachte Dame mit Kegeltanten-Charme (Augen etwas zu stark geschminkt, ungünstiges Metallbrillengestell, Haare halb blondiert), die einen mobilen Kosmetiksalon aufziehen will.

Und die ehemalige Geschäftsführerin einer Toblerone-Fabrik, die in ihrem Laden Perlen und Schmuck verkaufen möchte und mit einigem milf-appeal irritiert. (Männer wurden evolutionär nicht auf Frauen vorbereitet, die mit 45 noch eine wirklich gute Figur haben. Es ist ein bisschen wie auf eine Ampel zuzufahren, die schon einen Moment orange ist: Man weiß, es ist fast zu spät, aber irgendwie wäre es auch geil, noch eben rüberzurutschen. Thank you, I’ll be here all week.)

Für den Beitrag »Marketing und Werbung« hatten der werte Freund F. und ich auf eine heiße Marketing-Biene gehofft. Die Realität präsentierte sich dann eher als Hummel mit kartoffelsackhafter Ausstrahlung, die sich aus nicht bekannten Gründen mit einer eigenen, kleinen Marketing-Agentur über Wasser halten kann. Sie lehnte sich weit aus dem Fenster, als sie sich ohne den Hauch eines Zweifels zu der Fraktion bekannte, die sagt: »Ohne Internet geht es heute beim Marketing nicht mehr.«

Die Welt als Wille und Gründerseminar: Gute Leute, gute Einsichten, gute Aussichten.

[Anm. d. Red.: Der Text ist ein Fragment aus dem Pieces Of A Man Vorgänger-Vehikel »Bohemian RapSodomie« und entstanden im Mai 2011, als sich der Autor zwischen zwei Jobs mit dem Thema Selbstständigkeit auseinandersetzte.]

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