Ein paar Randnotizen zu … Whitney und Stahlhandel, Schwarzfahren, Schnee, und Gott
  • Es mag sein oder nicht, dass ich kürzlich auf dem Weg zum großartigen Café Cuccuma in Kreuzberg des sogenannten Schwarzfahrens überführt wurde, da ich mein Ticket vergessen hatte. Vergessen hatte ich in dem Schock dann temporär auch meinen Namen und meine Adresse. Glücklicher Weise konnte die Dame am anderen Ende der Leitung des handyähnlichen elektronischen Gerätes, welches der Kontrolleur bei sich trug, nicht verifizieren, dass ein Christian Kämper in der Jessnerstraße gemeldet sei. Das beruhigte mich, hätte mir ein Christian Kämper in der Jessnerstraße doch große Sorgen gemacht. Mit der Aussicht, nachts wieder schlafen zu können, fiel mir dann auch jäh mein Name ein. Kinder, die Lektion: Wenn ihr nicht wie ein totaler Arsch von vier Typen mit “Securitas”-Jacken aus der U-Bahn begleitet werden wollt, dann … genau.
  • Gestern war das erste Mal seit Äonen von Monaten, dass ich majestätisch auf den Balkon schritt, um dem Volk bei seinem Treiben zuzusehen, und dabei das Gefühl hatte, dass die Sonnenstrahlen auf der Haut tatsächlich einen wärmenden Effekt haben. Noch nicht besonders stark, aber ein äußerst willkommener Vorbote auf den Frühling, der uns bitte, bitte bald beehrt. Unnötig zu sagen, dass ich mir heute den majestätischen Auftritt im Bademantel sparte, da es schneite. Ja, es schneite. Zu behaupten, dass ich mich nicht freute wie ein Schneekönig, wäre ein sehr schlechtes Wortspiel und eine maßlose Untertreibung außerdem. Können wir uns bitte wieder einigen auf Sonne, lieber jähzorniger Gott aus dem Alten Testament? Danke.
  • Apropos: Gott. »Wenn es ihn nicht gäbe, so müsste man ihn erfinden«, ein schönes Bonmot von Voltaire. Ach, was sind denn 40 Euro?, was ist denn Schnee?, rufen wir da als Teilzeit-Schöngeister, wenn wir unseren Voltaire und unseren Balzac haben! Nun, 40 Euro wären ein Anfang, um auf ein Flugticket gen USA zu sparen und dort einem Gospel-Gottesdient beizuwohnen. Denn die Beerdigung von Whitney Houston hat es uns gezeigt: Ja!, man müsste einen Gott (und einen Jesus, ein Kreuz, einen Batman usw.) notfalls erfinden, allein damit es diese großartige spirituelle Musik geben kann. (Und alle »weltliche« Musik, die aus ihr erwachsen ist.) Manchmal wäre es cool, wenn man sein Leben wie in einem Computer-Spiel abspeichern und mehrfach neu laden und spielen könnte. Von den Dutzenden lustigen Sachen, die sich damit anstellen ließen, wäre das hier eine: Was, wenn man seine überschaubaren religiösen Erfahrungen nicht in lachhaftem Religionsunterricht und in total uncool um »Jugendlichkeit« bemühten evangelischen Kirchen gemacht hätte, sondern in einer Gospel-Community? Könnte man dann in schwierigen Situationen auch sagen: »Ich vertraue darauf, dass Gott mir den richtigen Weg weist.« Ich kann den Satz nicht schreiben ohne zu lachen, aber ich bin ein bisschen neidisch auf Menschen, die ihn sagen können und wirklich so meinen.
  • So ernst sollte es gar nicht werden, es geht eigentlich nur darum zu sagen: Wie geil ist eigentlich ein Gospel-Chor?! Ich möchte zu meiner Beerdigung, zu meinem 50. Geburtstag und jedes Mal, wenn ich an der Supermarkt-Kasse jemanden mit sehr wenig Einkäufen vorlasse, bitte einen Gospel-Chor haben. Auf eine Rede von Kevin Costner würde ich großzügig verzichten, aber falls Stevie gerade frei ist … tut Euch keinen Zwang an. BeBe Winans möchte auch singen? Klar, kriegen wir hin. Ach, Whitney! (Lied startet bei 4:06)

http://www.youtube.com/watch?v=VF-hWOTkSKY

  • Etwas göttliche Inspiration und ein paar hohle »alles wird gut mit Gott«-Phrasen hätte ich auch gebrauchen können, nachdem ich gestern innerhalb von 2,5 Stunden über 2500 Stellenausschreibungen sondiert hatte. Sondieren heißt: die Suchergebnisse überfliegen, die halbwegs interessanten in einem neuen Tab öffnen und sich von der großen Mehrheit der nicht-interessanten nicht auf Dauer total abfucken lassen. Es klingt so blöd, aber es ist wirklich Schwerstarbeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufnahmetest für die NAVY Seals viel härter ist als das. Naja, vielleicht ein bisschen. Aber es ist wirklich … excruciating. Ist man bzw möchte man sein … »Teamleiter bei der Telekom«? Please. »Research Scientist«? Absolut, damit wäre man das Hochschul-Pendant zu den police cops, den Polizeibullen, bei den Simpsons. Forschungswissenschaftler, geiler Titel. Man muss dafür aber schon promoviert sein. »Junior-Produktmanager Personenzertifizierung«? Shoot me now. »Stahlhändler«? Stahlhändler! Ja bitte, sofort! Was für ein Auftritt bei einer Party: »Und, was machst du so?« »Ich bin Stahlhändler.« »Ah ok, und was macht man da so?« »Ich handle mit Stahl.« Yeah, diese Konversation führen und sterben. Man hatte ein gutes Leben als Stahlhändler. Und jetzt der Chor!

I’ve had some good days / I’ve had some hills to climb
I’ve had some weary days / I’ve had some weary nights
But when I look around / And I think things over
All of my good days / They outweigh my bad days
So I won’t complain

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This article has 1 comments

  1. Horst Dickmeis Reply

    Stahlhändler, nicht verkehrt. Wenn man dann noch den “Master of Power Engineering” hat…

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